Mara von Scheffer und Anna-Maria Dirrigl nutzen ihre Kunst als Form der Selbstermächtigung. Ihre kreative Arbeit ist ein bestärkender Umgang mit Verletzung und Trauma sowie eine Konfrontation mit gesellschaftlichen Normen und Einschränkungen. Sie machen ihre inneren Reaktionen auf ihr äußeres Umfeld, auf Diskriminierung, Gewalt und Verunsicherung sichtbar und nehmen so die Macht über sich selbst wieder an sich.

Mara von Scheffer übernimmt durch die detaillierte Darstellung von monsterhaften, ekelerregenden und furchteinflößenden Kreaturen Kontrolle über Dinge, die Angst verursachen: gesellschaftliche Erwartungen, soziale Unsicherheiten, Leistungsdruck. Die Sichtbarmachung der als unheimlich und gruslig wahrgenommenen Welt und die dabei stattfindende Vertiefung in den kreativen Prozess geben ein Gefühl der Selbstermächtigung in Situationen der Hilflosigkeit und Panik.

Anna-Maria Dirrigl konzentriert sich auf die Verarbeitung von persönlichem Trauma und struktureller Ausgrenzung durch die Hervorhebung und Zelebrierung von Aspekten der eigenen Identität, die von gesellschaftlichen Normen abweichen und deshalb Diskriminierung ausgesetzt sind. Worte und Bilder brechen mit einer Kultur des Schweigens und Beschämens und schaffen so Selbstermächtigung. Body Positivity, Queerness, Behinderung und intersektioneller Feminismus sind zentrale Inhalte ihrer Kunst. Ihre Gedichte veröffentlicht sie unter dem Pseudonym Anna Nave.

Anna-Maria Dirrigl stellt dabei unter anderem Dinge dar, die bei vielen Menschen auf Ekel, Verurteilung, sogar Angst stoßen: einen fetten Körper, eine Person, die nicht eindeutig einem binären Geschlecht zuzuordnen ist, Queerness, Nacktheit. Währenddessen zeigt Mara von Scheffer Bilder von tatsächlich abscheulichen Monstern, die genau solche Reaktionen hervorrufen sollen. Die Gegenüberstellung dieser beiden Ansätze resultiert in einer spannenden Wechselwirkung von Ekel und Ästhetik, Angst und Liebe, Hilflosigkeit und Macht.

Was ist monsterhaft, und was ist menschlich?

04.10.2021 bis 16.10.2021 im Pop-Up-Raum des Degginger Regensburg Öffnungszeiten: täglich von 11.30 Uhr bis 19 Uhr